Schätzungen zum Schwarzmarktanteil im deutschen Online-Glücksspiel zeigen deutliche Abweichungen zwischen Behördenbericht und aktueller Analyse
Zoe Schmitz · Jun 20, 2026

Schätzungen zum Schwarzmarktanteil im deutschen Online-Glücksspiel zeigen deutliche Abweichungen zwischen Behördenbericht und aktueller Analyse

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bezifferte in ihrem Bericht für das Jahr 2024 den Anteil des Online-Schwarzmarkts auf etwa 25 Prozent der gesamten Aktivität, während eine Ende 2025 veröffentlichte Studie darauf hinweist, dass der tatsächliche Anteil über 50 Prozent liegen könnte und insbesondere hochvolumige sowie intensiv spielende Nutzer verstärkt auf unLizenzierte Offshore-Plattformen ausweichen, weil die Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags von 2021 mit Einsatzlimits und anderen Beschränkungen greifen.
Grundlagen der GGL-Einschätzung aus dem Aktivitätsbericht 2024
Der Bericht der GGL stützt sich auf verfügbare Marktdaten und Lizenzüberwachungen, die den legalen Sektor abbilden und daraus Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt ziehen, wobei die Behörde den Schwarzmarktanteil bei rund einem Viertel der Aktivitäten verortet und damit eine moderate Einschätzung vornimmt, die auf den bis dahin erfassten Transaktionen und Nutzerzahlen basiert.
Neue Erkenntnisse aus der Studie Ende 2025
Die spätere Untersuchung aus dem Jahr 2025 kombiniert erweiterte Datenquellen und analysiert Nutzerverhalten differenzierter, sodass sie zu dem Schluss kommt, der Schwarzmarktanteil überschreite die 50-Prozent-Marke und konzentriere sich besonders auf Spieler mit hohen Einsätzen sowie intensiver Spielweise, die aufgrund der strikten Limits des Jahres 2021 vermehrt Offshore-Angebote aufsuchen und damit die Kanalisierung in den regulierten Bereich erschweren.
Beobachter stellen fest, dass diese Verschiebung bei hochintensiven Nutzern besonders ausgeprägt ist, weil Einsatzobergrenzen und weitere Auflagen den Spielraum im lizenzierten Markt einschränken und dadurch Anreize für unregulierte Plattformen entstehen, die flexiblere Bedingungen bieten.
Einfluss der Regulierungen von 2021 auf Spielerverhalten
Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 führte bundesweit einheitliche Standards ein, darunter strikte Einsatzlimits und Schutzmechanismen, die den legalen Markt strukturieren, gleichzeitig aber bei manchen Nutzergruppen zu Ausweichbewegungen führen, wobei die Studie aus 2025 belegt, dass gerade diejenigen mit hohen Einsätzen und hoher Spielintensität überproportional auf Offshore-Seiten migrieren.

Auswirkungen auf Kanalisierung und Spielerschutz
Die Diskrepanz zwischen den beiden Schätzungen wirft Fragen zur Wirksamkeit der Kanalisierung auf, da ein größerer Schwarzmarktanteil bedeutet, dass mehr Spieler außerhalb der regulierten Strukturen agieren und damit den Schutzvorkehrungen wie Suchtprävention oder Alterskontrollen entzogen sind, während die bevorstehende Überprüfung des Interstate Treaty im Jahr 2026 diese Aspekte erneut auf den Prüfstand stellt.
Experten weisen darauf hin, dass die aktuellen Daten aus 2025 die Notwendigkeit unterstreichen, Anpassungen zu prüfen, um den legalen Markt attraktiver zu gestalten und gleichzeitig die Risiken für Spieler in unregulierten Bereichen zu minimieren, ohne dabei die Schutzziele des Vertrags von 2021 aus den Augen zu verlieren.
Vorbereitung auf die Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags 2026
Im Vorfeld der Vertragsüberprüfung im Jahr 2026 sammeln Behörden und Analysten weitere Erkenntnisse, um mögliche Anpassungen der Regelungen vorzubereiten, wobei die unterschiedlichen Marktanteilschätzungen als Grundlage dienen, um Kanalisierungsstrategien zu optimieren und Spielerschutzmaßnahmen gezielter auszurichten.
Die GGL und weitere beteiligte Stellen berücksichtigen dabei sowohl die moderaten Zahlen aus dem eigenen 2024er Bericht als auch die höheren Werte der Studie aus 2025, um ein ausgewogenes Bild zu erhalten und Entscheidungen auf fundierter Datenbasis zu treffen.
Fazit
Die vorliegenden Schätzungen verdeutlichen, dass der Online-Schwarzmarkt im deutschen Glücksspiel je nach Erhebungsmethode unterschiedlich gewichtet wird und dass die Regulierungen von 2021 bei bestimmten Spielergruppen zu Verlagerungen führen, was vor der Überprüfung 2026 weitere Analysen und mögliche Anpassungen erforderlich macht, um Kanalisierung und Schutzziele in Einklang zu bringen. 2024 activity report der GGL liefert hierzu die offizielle Grundlage für künftige Bewertungen.